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20.06.2019 22:21 Alter: 28 days
Kategorie: Exkursionen, Latein

Mythologie, alte Handschriften und Barock: St. Gallen-Exkursion der Lateingruppe der 6. Klassen


Zum Abschluss des Unterrichtsmoduls „Kolumban und Gallus“ und zum Schulschluss reiste die Lateingruppe der 6. Klassen am Mittwoch, den 19. Juni 2019 bei prächtigem Wetter in die Ostschweizer Metropole.

Nach einer rund 45-minütigen Zugfahrt trafen wir um 10 Uhr am St. Galler Hauptbahnhof ein. Sogleich machten wir uns auf eine Spurensuche nach mythologischen Figuren an Erkern und Fassaden und erkundeten dabei gleichzeitig die Innenstadt.

Direkt vor dem Bahnhof entdeckten wir an der Fassade der Hauptpost ein Relief des Götterboten Hermes, der als Gott der Kaufleute – und Diebe – natürlich bestens in die Textil- und Handelsstadt passt und der uns an mehreren anderen Orten folglich auch nochmals begegnete.

Weiter ging es in den Rosenbergpark, in dem wir eine Statue der altgriechischen Dichterin Sappho besichtigten und auch erfuhren, dass ihre innige Beziehung zu ihren Schülerinnen, die sie auf der Insel Lesbos nicht nur in Kunst und Literatur ausbildete, Spuren auch im heutigen Sprachgebrauch bezüglich Geschlechterbeziehungen hinterlassen hat.

Vorbei an zwei Karyatiden am Kino Scala war es unumgänglich vor dem Bistro Nonolet die Anekdote zu Kaiser Vesapasians Spruch „Pecunia non olet“ („Geld stinkt nicht“) zu präsentieren. Die neun Musen konnte man anschließend im Museumsviertel an der Fassade der Tonhalle hoch oben erspähen – und natürlich durfte auch ein Hinweis auf das Weiterleben der Musen im „musischen Zweig“ ebenso wie im „Museum“ nicht fehlen. Nicht fehlen darf freilich im Museumsviertel auch ein Bildnis der Athene, die Helm und Lanze unverkennbar machen.

Vom künstlerisch-wissenschaftlichen Bereich rückten wir in die Einkaufsstraßen vor, studierten an einem prachtvollen Erker eine Darstellung von Poseidon mit Tritonen ebenso wie einen Herakles, der das Himmelsgewölbe trägt. Weiter ging es in der Multergasse vorbei an einem jugendlichen Dionysos mit Weinfass bis zur prachtvollen Tritonengruppe am Broderbrunnen am Lindenplatz.

Nach diesem Rundgang war es Zeit für eine knapp einstündige Pause, um sich für die nachmittägliche Führung durch den Stiftsbezirk zu stärken. Der bischöfliche Archivar Stefan Kemmer nahm sich für die Stiftsbibliothek, die seiner Aussage nach asiatische Touristen in zehn Minuten absolvieren, ausführlich Zeit und zeigte uns nicht nur Handschriften, die im Mittelalter so viel wie heute ein Auto kosteten, sondern auch die Mumie der Ägypterin Schepenese und einen prächtigen Globus. Selbstverständlich zeigte der Archivar uns auch den berühmten St. Galler Klosterplan und machte die überlegte – und auch mit symbolischem Gehalt verbundene – Anordnung der einzelne Räume und Bereiche bewusst.

Einblick bot Herr Kemmer auch in die ausgetüftelte Aufstellung und Systematik der Bibilothek und führte uns anschließend in die barocke Stiftskirche. Überraschend müde zeigten sich spätestens hier die jungen SchülerInnen und versuchten jede Möglichkeit sich zu setzen zu ergreifen. Herr Kemmer erzählte uns hier nicht nur über die Geschichte des Klosters und das Verhältnis zwischen reformierter Stadt und katholischem Kloster, sondern zeigte auch spannend vielfältige Beziehungen zwischen einzelnen Kunstwerken und der symbolische Gehalt dieser Beziehungen auf. Die berühmte Gallus-Glocke konnten wir hier ebenso bestaunen wie das neue Taufbecken, in dem sich das großartige Deckengemälde spiegelt. - Dass auch diese Spiegelung symbolischen Gehalt hat, versteht sich von selbst.

Kurz besuchten wir anschließend noch die Gallus-Ausstellung im Gewölbekeller, um anschließend wieder zum Bahnhof zu spazieren. Wohlbehalten kamen alle wieder gegen 16 Uhr in Bregenz an, da der Schaffner ein Nachsehen mit einer Schülerin hatte, die ihre Maximo-Karte nicht bei sich hatte, und ein Schüler, der seine Geldtasche im Schweizer Zug verloren hatte, schon in Bregenz per e-mail die Nachricht über Fund und Weitergabe an den Schaffner erhielt. - Abschließend danken wir auch Sebastian Bedzieszak für die fotografische Dokumentation unserer spannenden Exkursion. (Walter Gasperi)