< "Das BORG Egg als Projekt" - Ausstellung im Egg Museum
02.04.2019 18:33 Alter: 108 days
Kategorie: Geschichte, Veranstaltungen

Hass, Intoleranz, Rassismus, Mobbing, Zäune… Gab es das nicht schon einmal?


Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte Hunger, Leid und Not. Hitler versprach, das Reich neu aufzubauen und die Menschen verspürten große Hoffnung. Anstelle von Hoffnung trat jedoch Hoffnungslosigkeit für jeden, der nicht ins System passte. Eines der unzähligen Schicksale wurde uns, den achten Klassen, am Montag, den 1. April 2019, von einer Zeitzeugin zweiter Generation, Ingrid Portenschlager, geschildert. Zusammen mit dem Verein Lila Winkel (einer Vereinigung zur Rehabilitierung und Unterstützung von Opfern der NS-Zeit) kam sie zu uns ans BORG Egg, um von den schrecklichen Erlebnissen ihres Vaters zu berichten.

1938 weigerte sich Ernst Reiter, Soldat zu werden, und wurde daraufhin zu sechs Monaten Einzel- und Dunkelhaft verurteilt. Aufgrund seines Ungehorsams zusätzlich noch zu 18 Monaten Zuchthaus. 1940 wurde er ins KZ Flossenbürg gebracht, welches als Arbeitslager diente. Von da an war er nicht mehr „Ernst Reiter“, sondern die Nummer „1935“.

Kein Mensch, der es nicht selbst erlebt hat, kann sich auch nur ansatzweise vorstellen, wie unmenschlich die Umstände dort waren. Zwölf Stunden schwerste körperliche Arbeit. Eine schreckliche Schlafsituation. Keine Intimität. Verfaultes Essen. Grausame Foltermethoden. Wer sich auch nur in irgendeiner Weise weigerte, Befehle zu befolgen, musste dafür womöglich mit seinem Leben bezahlen.

Ernst Reiter hat viereinhalb Jahre all das überlebt. Mithilfe von Freunden hat er es geschafft, Krankheit und Hoffnungslosigkeit zu überwinden und gemeinsam haben alle 23 Träger des lila Winkels (Zeugen Jehovas) sogar den letzten Todesmarsch überlebt.

Trotz all seiner schrecklichen Erfahrungen war er nie nachtragend und verurteilte keinen Menschen. Und diese Botschaft hat uns seine Tochter Ingrid Portenschlager zum Ende des Vortrags mitgegeben: Alle machen Fehler, niemand ist perfekt. Und trotzdem sollte man immer das Gute im Menschen sehen und tolerant, offen und wertschätzend mit anderen Menschen umgehen. (Carla Sophie Raffl und Laura Wachter, 8ai)